«Die Fantastischen Vier» gegen rechte Gewalt

In Fußballstadien, bei Konzerten und anderswo wird es «Laut gegen Nazis»

 

Auf einer Podiumsdiskussion zur Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland erläuterte die Bundestagsabgeordnete Krista Sager einige Zahlenbeispiele. Im Rahmen dieser Diskussion gab es einen Seitenhieb gegen Jörn Menge, Initiator der Kampagne «Laut gegen Nazis». Frau Sager habe ihm gegenüber folgendes erzählt: «Dreißig Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung, so sagt eine vom Bundestag beauftragte Statistik, trägt rechtsradikales Gedankengut in sich, aber sie glauben doch nicht, dass diese unsere Demokratie werden stürzen können, oder Herr Menge?» Das Zitat sei auf einer Veranstaltung im Rahmen der WM in der Kirche am Pinnasberg auf St. Pauli entstanden, «organisiert vom offizielen WM-Büro Hamburg», blickt Menge zurück. Dieses Zitat zeige, dass eine deutliche Normalisierung im Umgang mit dem Problem stattfindet. «Selbst Bundespolitiker verharmlosen den bedenklichen Trend in der rechten Szene, die mit über 800 Gewaltopfern und mehr als 15.000 Straftaten wieder einen neuen Höhepunkt im Jahr 2005 erreichte.»

Die Kampagne «Laut gegen Nazis» hat es sich zur Aufgabe gemacht, einen Zusammenschluss der Zivilgesellschaft und eine starke Öffentlichkeit gegen den stets wachsenden Rechtsextremismus zu erwirken. Die Kampagne, der sich seit dem dreijährigen Bestehen schon viele Prominente vor allem auch mit öffentlichen Stellungsnahmen und Aktionen angeschlossen haben, soll aufmerksam machen, ohne parteilich zu sein. «Für uns ist es eine Selbstverständlichkeit, Nazis ins Abseits zu stellen», insistiert Menge, der in Hamburg mit seiner Agentur «HeadUp Promotion» auch eine sehr engagierte Hörbuchreihe gegen Rechtsradikalismus mit auf den Weg brachte (die JZ berichtete in der Mai-Ausgabe darüber).

Viele zum Teil erschreckende Geschichten hat Menge zu erzählen. So rief ihn einmal «ein junger Mann aus einem kleinen Ort namens Frauental, im ehemaligen Ostdeutschland, an». Der wollte gegen Rechtsradikalismus aktiv werden und im Rahmen dessen ein Konzert mit der populären Band «Silbermond» auf die Beine stellen, «was natürlich aus verschiedenen Gründen so einfach nicht zu machen war, aber den jungen Mann haben wir trotzdem gut beraten können». Aber der Kern der Geschichte bestand darin, dass besagter Mann aus Frauental Jörn Menge berichtete, dass der stellvertretende Kreisvorsitzende der NPD die D-Jugendfußballmannschaft des SC Frauental trainiere, «das sind wirklich die Knirpse des Ortes». Die Jungen «lässt der NPD-Mann doch tatsächlich Spalier stehen, um denen deutsche Tugenden beizubringen», regt sich Menge auf. «Der trainiert die sozusagen klassisch, und genau da fängt sie schon an, die kleine, unscheinbare rechtsextremistische Propaganda».

Im Fußballsport ist «Laut gegen Nazis» sehr aktiv. «Fußballveranstaltungen sind ein Teil der Zivilgesellschaft», betont Jörn Menge: «Je mehr öffentlicher Raum - dazu zählen insbesondere Fußballstadien, Popkonzerte und Medien - mit einem klaren Statement gegen Rassismus, Antisemitismus und ewig gestriges Gedankengut eingenommen wird, desto weniger Chancen haben rechte Phrasendrescher und intellektuelle Funktionäre der neuen rechtsextremen Parteien wie die der NPD».

Das haben die Mitglieder der Band «Die Fantastischen Vier» wörtlich genommen. Ihre gesamte neue Tour, die am 13. November in Kempten startet, stellen sie daher unter das Banner der «Laut gegen Nazis»-Kampagne.

 


Frank König

«Jüdische Zeitung», November 2007