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Die Anschlagsserie in Asien ist Spiegelbild des immensen Drucks auf das Regime in Teheran
Die Woche war für Ramin Mehmanparast, den Sprecher des iranischen Außenministeriums, nicht leicht. Nach einem gelungenen und zwei misslungenen Attentaten Mitte Februar gegen israelische Diplomaten in Indien, Georgien und Thailand und der israelischen Anschuldigung, der Iran und seine Komplizen stünden hinter dem internationalen Rechtsbruch, bestand Erklärungsbedarf. Die «Zionisten», argumentierte Mehmanparast in einer gewagten These, hätten die Anschläge selbst verübt, «um den freundlichen Beziehungen zwischen Iran und Thailand zu schaden». Dasselbe gelte für die Gewaltakte in Delhi und Tiflis. Auch der Chef der Hisbollahmiliz Hassan Nasrallah meldete sich zu Wort: «Ich versichere Euch, dass Hisbollah nichts damit zu tun hat», sagte er. Dabei weisen alle Spuren Richtung Teheran. Die Motivation besteht, israelische Ziele im Ausland anzugreifen, bestätigte Nasrallah noch mit seinem Dementi: «Solange Blut in den Adern irgend eines Hisbollahmitgliedes fließt, wird der Tag kommen, an dem wir den Mord Imad Murniyahs rächen», sagte er seinem Publikum und versprach, man werde nicht nur «irgendeinen» Israeli töten, sondern «hochwertige Ziele». Murniyah, Generalstabschef der Hisbollah und Verbindungsoffizier zu den iranischen Revolutionswächtern, wurde vor vier Jahren in Damaskus in einer Geheimdienstaktion getötet, als eine Bombe in der Kopflehne des Fahrersitzes seines Geländewagens explodierte. Murniyah stand seit Jahren auf der Zielliste Israels. Er galt er als Terrorchef der Miliz und organisierte im Auftrag der Iraner Attentate in aller Welt. Eine seiner bekanntesten Anschläge war die Sprengung der israelischen Botschaft und des jüdischen Gemeindezentrums in Buenos Aires, Racheakte für die Tötung des damaligen Hisbollahchefs, Nasrallahs Mentor und Vorgänger Abbas Mussawi. Fast 20mal versuchten iranische Agenten oder Hisbollahaktivisten seit 2008, israelische Ziele im Ausland anzugreifen. Zuletzt vereitelte Israels Auslandsgeheimdienst Mossad im Januar ein Attentat in Thailand, als er lokale Behörden auf den Libanesen Hussein Atris aufmerksam machte. Zuvor hatten Hinweise des Mossads Anschläge in Aserbaidschan und der Türkei verhindert. So reihen sich die Ereignisse in Indien, Georgien und Thailand nahtlos in die Liste bisher gescheiterter Versuche. Dass sie am Jahrestag des Todes Murniyahs stattfanden, dient als Hinweis für die Täterschaft Irans. Doch es gibt noch härtere Indizien. In Delhi heftete der Attentäter, der auf einem roten Motorrad fuhr, eine Magnetbombe an den Botschaftswagen – klare Anspielung auf die Morde an fünf iranischen Atomwissenschaftlern, die in Teheran derselben Methode zum Opfer fielen. Der Iran macht Israel für die Attentate verantwortlich. Die stärksten Anhaltspunkte kommen aus Bangkok, wo drei Iraner verhaftet wurden. Die hatten laut Angaben thailändischer Quellen nicht nur löcherige Alibis, sondern waren zudem direkt aus dem Iran mit iranischen Pässen angereist, hatten Sprengstoff in ihrem Besitz, der dem Sprengstoff in Delhi und Tiflis ähnelte, und planten, nach getaner Arbeit in den Iran heimzukehren. Israelische Sicherheitsexperten sind hauptsächlich über den Dilettantismus der Iraner überrascht. Nicht nur, dass es ihnen misslang, die relativ geringwertigen Ziele zu zerstören: In Tiflis hefteten sie eine Bombe an den Wagen eines georgischen Fahrers der Botschaft, in Delhi galt der Angriff Tal Jehuschua-Koren, der Ehefrau des israelischen Militärattachés. «Es ist ihnen scheinbar nicht gelungen, den Verlust Murniyahs zu ersetzen», mutmaßte ein ehemaliger Geheimdienstler im israelischen Radio. Andere meinen, die Anschläge seien hastig geplant und ausgeführt worden, weil der Druck in Teheran gewaltig zugenommen habe. «Sie sind völlig überrascht darüber, dass es US-Präsident Barack Obama gelungen ist, einen internationalen Konsens gegen Teheran herzustellen und scharfe Sanktionen durchzusetzen», sagt der Iran- Experte Meir Javedanfar. Die Folgen der Sanktionen werden langsam spürbar. Daher das Angebot aus Teheran, die Gespräche über das iranische Atomprogramm mit Europa wiederaufzunehmen. Die Attentate verfolgten zwei Ziele: «Ihnen geht es darum, nicht auf Knien zu den Gesprächen zu kommen, sondern als Macht mit Abschreckungspotential.» Europa, die USA und Israel sollen wissen, dass Teheran weltweit Rache üben kann, falls es angegriffen werden sollte. Dazu passt die Drohung des Vizekommandeurs der Revolutionsgarden General Mohammad Hejazi, der warnte, Iran werde einen Präventivschlag ausführen, falls seine Interessen bedroht würden. Es gebe auch eine innenpolitische Komponente: «Kurz vor den Parlamentswahlen im März muss Khamenei stark wirken und darf nicht als jemand erscheinen, der der Welt im Atomprogramm Zugeständnisse macht», sagt Javedanfar. Dabei sei er bereit, Risiken in Kauf zu nehmen, gefährdet die direkte Beteiligung von Iranern schließlich strategische Beziehungen zu den Ländern, in denen die Attentate verübt wurden. Javedanfar ist überzeugt: «Aktionen mit solcher Tragweite müssen vom Revolutionsführer Ali Khamenei genehmigt werden.» 1982 diente das Attentat auf Israels Botschafter in London Schlomo Argov als Vorwand für den Einmarsch in den Libanon. Eine Reprise dieses Szenarios scheint bisher unwahrscheinlich: Die Attentate verliefen glimpflich, und so zieht Jerusalem es vor, diplomatisch Nutzen aus den Attentaten zu ziehen, Teheran international zu isolieren und schärfere Sanktionen zu fordern. Wäre bei dem Attentat in Delhi aber nicht bloß eine Frau verletzt, sondern der Gesandte samt Frau und Kindern im Wagen getötet worden, könnte Israel sich gezwungen sehen, auf die Provokation militärisch zu reagieren. Der stille Krieg der Geheimdienste könnte so leicht in einen ausgewachsenen Krieg eskalieren. |