Personenkalender Juli 2010

von Christian Kausche

 

Gustav Mahler

7. Juli 1860

Gustav Mahler. Foto: Archiv

Der am 7. Juli 1860 geborene Musiker und Komponist kam im böhmischen Kalischt - nahe der mährenschen Grenze - als Sohn von Marie und Bernhard Mahler, einer jüdischen Kaufmannsfamilie, zur Welt. Nach dem Habsburger „Oktoberdiplom" (1860) konnte die Familie nach Iglau in Mähren übersiedeln. Seinem herrischen und stark emotional gewaltbereiten Vater stand er gleichgültig gegenüber, während er seiner zarten Mutter sehr zugetan war. Für Gustav waren seine Eltern vollkommene Gegensätze. Neben der väterlichen Leidenschaft für deutsche Kultur und dem Tod seines 13-jährigem Lieblingsbruder Ernst mögen dies prägende Ereignisse gewesen sein, die ihn zu einem sensiblen Menschen gemacht haben. Insgesamt verlor die Familie sechs von 13 Kindern, worunter vor allem die Mutter litt. Gustav flüchtete sich früh in die Traumwelt der Musik, um dem freudlosen Familienleben zu entrinnen. Seine musikalische Begabung kam mit vier Jahren zum Vorschein, als man ihn versunken auf dem Dachboden des Hauses auf einem Klavier Töne spielend vorfand. Fortan sollte Gustav´s Talent mit Klavierunterricht gefördert werden. Sein erstes Klavierkonzert hatte er mit zehn Jahren in Iglau (1870) und wurde damals in der Presse sehr gelobt. Im Jahre 1875 begann er eine dreijährige musikalische Ausbildung am „Conservatorium für Musik und darstellende Kunst der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien", was ihm eine Karriere als Kapellmeister ermöglichte. 1878 folgte ein Studium in Philosophie, Geschichte, Musikgeschichte und -ästhetik an der Wiener Universität. Nach musikalischer Berufstätigkeit als Kurkapellmeister für ein Theater ihn Oberösterreich, entfloh er dieser Anstellung (1880) und vollendete sein Werk „Das klagende Lied". In den folgenden Jahren arbeitete er als Dirigent in Laibach und Olmütz. In Kassel hatte er den unbefriedigenden Posten des zweiten Kapellmeisters inne (1883), wo er seine unglücklichen Liebesbeziehungen im Liederzyklus „Lieder eines fahrenden Gesellen" verarbeitete. In den Folgejahren war er beruflich in Prag und Leipzig tätig. In Budapest schuf er seine erste Symphonie „Der Titan" (1888) und als Kapellmeister am Hamburger Staatstheater komponierte er seine „Auferstehung" (1891-97). Gustav entwickelte sich zu einem der meist nachgefragtesten und berühmtesten Dirigenten Europas. Um eine Anstellung als Kapellmeister und Hofoperndirektor in Wien (1887-1907) zu erlangen, ließ er sich katholisch taufen. Im Jahre 1902 heiratete er Alma Schindler. In dieser Zeit schrieb er „Des Knaben Wunderhorn" und „Kindertotenlieder". Aufgrund seiner Ansprüche und den daraus resultierenden Konflikten mit Sängern wurde seine Anstellung beendet. Sein Werdegang brachte ihn 1908 in die USA, wo er in New York als Dirigent der Metropolitan Opera und dem Philharmonic Orchestra tätig war. In dieser Zeit komponierte er sein letztes Werk: „Das Lied von der Erde".  Bis zu seinem Tod am 18. Mai 1911 blieben die USA seine Heimat. Gustav Mahler wurde auf dem Wiener Grinzinger Friedhof beerdigt.

 

Stanley Kubrick

26. Juli 1928

Stanley Kubrick. Foto: Reuters

Dem Zuschauer stellt sich meist nicht die Frage welcher Regisseur sie mit Bildausschnitten und tiefgründigen Stories von Filmeklassikern, wie dem in der Antike angesiedelten „Spartacus" oder den Sci-Fi-Film „2001: Odyssee im Weltraum" in den Bann zieht. Dabei stammen die Filme vom vielseitig begabten Regisseur und Fotografen Stanley Kubrick. Stanley kam als Sohn einer jüdischen Familie von Gertrud und Jacques L. Kubrick am 26. Juli 1928 im Manhatten Lying-In Hospital (USA) zur Welt. Im Jahre 1934 folgt Schwester Barbara Mary. Seit 1934 besuchte Stanley die Schule - von Zeit zu Zeit - denn meistens war er nicht anwesend, weswegen ihm soziale Inkompetenz vorgeworfen wurde. So erhielt der sehr intelligente und mit überdurchschnittlichen Schreib- und Lesefähigkeiten gesegnete Junge wohl hauptsächlich Privatunterricht. Sein Vater, der eine Praxis für Allgemeinmedizin betrieb, schenkte ihm zum 13. Geburtstag eine Fotokamera und machte ihn auch mit Literatur und Schachspiel vertraut. Stanley war schon in Jugendjahren als Fotograf für die Schulzeitung tätig. Gerne streifte er durch die Straßen und fotografierte Menschen, die sich unbeobachtet fühlten. So ergab sich das Foto eines deprimierten Zeitungsverkäufers, der von Printmedien umgeben war, die den Tod von Präsident Roosevelt verkündeten. So verkaufte er mit 16 Jahren sein erstes Foto an die Zeitschrift „Look", für die er nach absolviertem High-School-Abschluss auch als Fotojournalist (1946) tätig war. Mit seinem Freund Alexander Singer frönte er dem leidenschaftlichen Hobby des Kinofilms. Alles was Stanley über das Filmemachen wusste, brachte er sich mit der entsprechenden Fachliteratur selber bei. Ab 1950 beschritt er mit seinem Kurzfilm „Day of the Fight" den Weg des Filmregisseurs. Dieser erste Film bestach schon durch ein hohes Maß an Perfektion, die aus ungewöhnlichen Bildern, Bildausschnitten, Erzählstimme und Realismus resultierte. Elementen, die auch in späteren Filmen wiederkehrten. 1953 drehte Kubrick „Fear and Desire", dabei achtete er auf kleine Details, wie Äste vor der Kamera. Schon bald konnte er mit den Arbeiten zum Film „Der Tiger von New York"(1955) beginnen, aus dessen Schwächen, bezüglich Story und Charaktere, er lernte. Im Jahre 1955 gründete er mit James B. Harris die Harris-Kubrick Pictures Corporation, deren erster Film „Die Rechnung ging nicht auf" (1956) war. In den Folgejahren stieg das Budget für Filme und auch die Möglichkeit bessere Schauspieler zu engagieren. So erschien 1957 Kubrick´s erstes kommerziell erfolgreiches Werk, der Anti-Kriegsfilm „Wege zum Ruhm", in der Hauptrolle Kirk Douglas als französischer Colonel Dax. Was dann in Kubricks Filmkarriere folgte, ist Filmgeschichte: „Spartacus" (1960), „Lolita" (1962), „Dr. Seltsam" (1964), „2001: Odyssee im Weltraum" (1968), „Uhrwerk Orange" (1971), „Barry Lyndon" (1975), „Shining" (1980), „Full Metal Jacket" (1987), „Eyes Wide Shut" (1999). Stanley Kubrick starb am 7. März 1999 an einem Herzinfarkt.


 

Harrison Ford

13. Juli 1942

Harrison Ford. Foto: Reuters

Als frecher und wortgewandter Archäologe und Chameur mit braunem Hut und Peitsche gewann er die Herzen des Publikums. Die Rede ist vom Schauspieler Harrison Ford. Väterlicherseits ist Harrison deutsch-irisch-katholischer und mütterlicherseits russisch-jüdischer Herkunft. Er kam als Sohn von Dorothy und Christopher Ford am 13. Juli 1942 im Swedish Convenant Hospital in Chicago zur Welt. Im Jahre 1945 folgte Harrison´s jüngerer Bruder Terence. Ihr Vater war als Rundfunkjournalist und Werbefachmann tätig. Im Jahre 1960 machte Ford seinen Abschluss an der Maine East High School in Park Ridge (Illinois). Danach begann er ein Studium am Ripon College in Wisconsin, brach es allerdings ab, um sich der Schauspielerei zu widmen. Seine erste Rolle bekam er im Film „Dead Heat on a Merry-Go-Round" (1966) in Kalifornien - wo er sich seit 1964 aufhielt - bei Columbia Pictures. Vorerst blieb der große Erfolg aus und er spielte kleine Rollen. Eine Anstellung bei Universal Pictures ermöglichte ihm Rollen in Fernsehserien wie „The Virginian", „Gunsmoke" und „Ironside". Enttäuscht von den ersten Ergebnissen beendete er vorerst die Schauspielerkarriere und verdiente sich sein Geld als Schreiner. Bei seiner Arbeit lernte er George Lucas kennen. In dessen erfolgreichen Film „American Graffiti" (1973) ein Engagement fand, worauf der Kriminalfilm „The Conversation" (1974) von Coppola folgen sollte. Schlussendlich erfolgte Fords absoluter Durchbruch als frecher und cleverer Han Solo in der Star Wars Triologie von George Lucas. In der Rolle des schlitzohrigen Chameurs der Prinzessin Leia bekämpfte er das Imperium und entkommt immer gerade noch so aus „Krieg der Sterne" (1977), „Das Imperium schlägt zurück"(1980) und „Die Rückkehr der Jedi-Ritter"(1983). Zwischendurch trat er auch kurz in Filmen wie „Apocalypse Now"  auf. Harrison erhielt seinen wohl verdienten Karrieredurchbruch mit der Rolle des Archäologen Indiana Jones, der in „Jäger des verlorenen Schatzes" (1981), „Indiana Jones und der Tempel des Todes"(1984) und „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug"(1989) gegen religiöse Fanatiker und Nationalsozialisten kämpfen muss, um die Welt zu retten. Zu Ford´s Karrierehöhepunkten gehört auch der Si-Fi-Film „Blade Runner" (1982). Nach einer Phase des Erfolgs spielte er in weiteren Filmen wie „Air Force One" (1997) mit, die allerdings nicht sehr erfolgreich waren. 2008 schlüpfte er erneut in die Rolle des Archäologen in „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels".  Harrison Ford war insgesamt dreimal verheiratet, seine dritte Ehe mit Calista Flockhart besteht seit 2010. Aus den Ehen stammen seine Tochter und drei Söhne. Er nimmt auch als Pilot an Rettungseinsätzen in Wyoming teil und ist im „Archaeological Institute of America" tätig. Er selbst ist Rollen in Independent-Filmen aufgeschlossen, erhielt für solche bisher aber kein Angebot. Für seine 69 Jahre ist Ford immer noch sehr abenteuerlustig und jugendlich, da kann das Angebot bestimmt noch kommen.

 

Harry Cohn

23. Juli 1891

Harry Cohn. Foto: Archiv

Als Gründer von Columbia Pictures machte er sich ebenso einen Namen, wie durch sein mangelndes Benehmen. Die Rede ist von Harry Cohn, der am 23. Juli 1891 in New York als eines von fünf Kindern einer polnisch-jüdischen Familie von Vater Joseph und Mutter Bella Cohn das Licht der Welt erblickte. Sein Vater arbeitet als Schneider. Die Familie lebte in der Unterklasse in der East 88th Street in New York. Zusammen mit seinem Bruder Jack arbeitete Harry in der Filmbranche, beide missgönnten dem anderen den jeweiligen Erfolg. Anfangs arbeitete Jack für Carl Laemmles Independent Motion Picture Company und Universal Pictures, Harry stand vorerst im Schatten seines Bruders. Erst mit 27 Jahren avancierte er zu Laemmles Sekretär (1918). Ab 1919-20 formten Harry, Jack Cohn und Joe Brandt die CBS Film Sales Corporation, deren Produktionen Harry in Hollywood organisierte. Aus verschiedenen Unternehmenszusammenschlüssen der Filmschmiede entstand die Columbia Pictures Corporation (1924), die Anfangs finanziell schlecht dastand. Dabei leitete Harry -nach Ausscheiden von Brandt (1932) - das Filmstudio sehr autokratisch und legte stets ein ungebührliches Verhalten an den Tag. Auch ging in Hollywood das Gerücht um, dass er für Arbeit sexuelle Dienstleistungen von seinen Schauspielerinnen verlangte. Harry verstand es Columbia´s finanzielle Lage auch in den schwierigen Jahren der Filmindustrie - 1933, 1958 - liquide zu halten. Mit Produktionen wie „The Blood Ship" oder dem Oscar-prämierten Film „Es geschah in einer Nacht" (1934), konnte der Ruf des Studios verbessert werden. Stets war die Beziehung von Harry und seinen Mitarbeitern angespannt und durch Streitereien geprägt. So beendete die Schauspielerin Jean Arthur 1944 ihren Vertrag bei Columbia und wechselte zu Warner Bros. Schauspieler wie Ronald Colman kehrten unter der Vorraussetzung zurück, dass sie keinen Kontakt mit Harry haben. Die Schauspielerin Katharine Hepburn bekam sogar nach dem filmischen Misserfolg von „Holiday" keine Filmaufträge mehr von Columbia. Worum es Harry wohl ging, war die Direktheit und der Kampfeswille seiner Mitarbeiter, die er autokratisch beherrschte. Nach einer gegenseitig beleidigenden Auseinandersetzung mit der Schauspielerin Carole Lombard kamen beide miteinander sehr gut klar. Auch scheint er Respekt für Menschen gehabt zu haben, die ihre Werte hatten und vertraten und wirklich beruflich begabt waren, wie die Schauspielerin Irene Dunne, deren schwere berufliche Phase er mit den Filmkomödien „Togehter Again" und „Over 21" überbrückte. Loretta Young half er mit „The Doctor´s Wife" wieder auf die Füße. Harry unterhielt nur kurzfristig eine Ehe mit Rose Baker (1923-1941), danach heiratete er Joan Perry, mit der er bis zu seinem Tod am 27. Februar 1958 in Phoenix, Arizona zusammen lebte. Auf der Beerdigung soll der Rabbi darum gebeten worden sein etwas Gutes über den meist gehassten Filmschmiedegründer der Filmindustrie zu sagen, der soll daraufhin erwidert haben: „ Er ist tot."

 

Jacob Comille Pissarro

10. Juli 1830

Jacob Camille Pissarro. Foto: Reuters

Jacob Comille Pissaro ist neben Claude Monet einer der bekanntesten Künstler des Impressionismus. Sein Vater, Abraham Gabriel Pissarro, war portugiesisch-jüdischer und seine Mutter Rachel Manzano-Pomié spanischer Herkunft. Jacob kam am 10. Juli 1830 in Charlotte Amalie - Hauptstadt von Dänisch-Westindien -  auf die Welt, wo sein Vater im Eisenhandel tätig war. Mit 12 Jahren wurde Jacob auf ein Internat nahe Paris geschickt, wo ihn der Rektor in seinem künstlerisch-malerischen Interesse stärkte. 1847 lebte Jacob wieder in Westindien, wo er sich am liebsten mit Malen am Hafen beschäftigte und den Künstler Fritz Melbye kennen lernte. Gegen die Widerstände seines Vaters reiste er mit Fritz nach Caracas (Venezuela). Hier sog der junge Pissarro die Atmosphäre des Stadtlebens und der Natur ein und malte sie. 1854 besuchte Jacob seinen Vater und überzeugte ihn von seiner künstlerischen Karriere. Seit 1855 lebte er in Frankreich, wo er bei Fritz Bruder, Antoine, in die Lehre ging und die École des Beaux-Arts besuchte. Grundsätzlich bevorzugte er aber das Zusammensein mit anderen Künstlern in Cafés, wo sie sich über die Malerei unterhielten. Sein erstes Werk war die „Landschaft von Montmorency", das aber wenig Beachtung erhielt. Kurzzeitig lebte er im Elternhaus in Montmorency (1857), ging aber bald auf die Académie Suisse, wo er in Kontakt mit Paul Cézanne und Claude Monet kam. Den künstlerischen, aber nicht finanziellen Durchbruch erhielt Jacob auf einer Ausstellung im Salon des Refusés (1863), wo seine Arbeit aufgrund ihres präzisen Wahrheitsgehaltes gelobt wurde. Vorerst musste Pissarro sich aber sein Geld u.a. als Bemaler von Rollos verdienen. In den Jahren 1869-70 arbeitete er mit Claude Monet und Pierre-Auguste Renoir zusammen, dabei malten diese meist gleichzeitig, in ihren jeweiligen Stilen, die gleichen Motive. In den 70igern floh Jacob vor dem französisch-preußischen Krieg in die englische Metropole London, wo ihm Paul Durand-Ruel vier seiner Gemälde abkaufte. Er heiratete die Bedienstete seiner Familie, die ihm inzwischen das dritte Kind gebar. In den Wirren des Krieges wurde ein Großteil seiner Werke zerstört, die er in Frankreich zurück lassen musste. Erst im Jahr 1873 erhielt Jacob auf einer Auktion für seine Werke Geld, blieb aber weiterhin unvermögend. Auch mitorganisierte er eine Impressionisten-Ausstellung (1874), nahm dabei aber selbst so gut wie gar nichts ein. Nach einer kurzen Experimentierphase mit der Maltechnik des Pointilismus, die ihm aber keinen Erfolg bescherte, erreichte er mit dem Kunsthändler Durand-Ruel seinen finanziellen Durchbruch (1892). In den letzten zehn Jahren seines Schaffens beschäftigte sich Jacob vor allem mit Stadtlandschaften, wobei er es stets verstand die Menschen gleichrangig in diese zu integrieren. So schuf er Bilder wie: „Der Louvre unter Schnee"(1902) und „Le Quai Malaquais et l´Institut"(1903). Er starb am 13. November 1903 in Paris und wurde auf dem Père Lachaise Friedhof beerdigt. 

 

Courtney Love

9. Juli 1964

2007 ließ sie sich von einem Chirurgen die Gesichts-Op wieder rückgängig machen: Courtney Love. Foto: Reuters

Sie ist die Frau, die neben dem Sänger Fred Durst („Limp Bizkit"), wohl am meisten Gebrauch vom Wort „Fuck" macht. Die Rede ist von Courtney Love, der wohl bizarrsten und kontroversesten Persönlichkeit des Alternative-Rock. Die ursprünglich als Courtney Michelle Harrison am 9. Juli 1964 geborene Musikerin kam in San Francisco zur Welt. Ihr Vater war Hank Harrison, Autor und Biograf der Musikgruppe „Grateful Dead" und ihre Mutter Linda Carroll, eine Psychotherapeutin; ein feministischer Hippi. Schon früh ging die Beziehung von Loves Eltern in die Brüche. Das ihr Vater ihr mit acht Jahren LSD verabreicht haben soll, bezeichnete sie als eine seiner größten Leistungen. Nach der Trennung lebte Love mit ihrer Mutter und deren wechselnden Lebenspartnern in unterschiedlichen Hippie-Kommunen zusammen. Love ging auf verschiedene Schulen in ganz Europa und Neuseeland und erhielt von diesen ebenso oft einen Schulverweis. Bis sie aufgrund von Ladendiebstahl in ein Erziehungsheim kam. Als sie erfuhr, das ihre zur Adoption freigegebene Mutter selbst eine jüdische Mutter hatte, die mit dem US-Schauspieler Douglas Fairbanks zusammen war, kommentierte die Buddhistin ihre jüdische Abstammung nur damit, dass eben jüdisches Blut in ihr sei. Jedoch betonte sie, den „fucking fact" von einem berühmten Schauspieler abzustammen in Zukunft nicht unerwähnt zu lassen. Schon in ihrer Jugendzeit blieb sie nicht bei der „Familie" sondern arbeitete als Striptease-Tänzerin u.a. in den USA und Japan. Während ihrer Zeit bei den Groupies und Hippies lernte sie laut eigenen Angaben Gitarre und wie man sich auf der Bühne bewegt. Sich selbst beschrieb sie als: „Das Milieu der Stripperinnen und Groupies ist mein Hintergrund. Dort habe ich die Kraft des Widerstandes und die Heftigkeit der Entrüstung einer heiligen Schlampe eingesaugt". Sie wirkte in den Bands „FaithNoMore" und „Sugar Baby Doll" mit, bevor sie im Jahre 1989 ihre „Riot-Girl-Band" „Hole" gründete, mit der sie die Alben: „Pretty On the Inside" (1991), „Live Through This" (1994), „Celebrity Skin" (1998) produzierte. Neben der Beziehung mit James Moreland (Band „Leaving Trains") machte Love vor allem mit der Beziehung zum „Nirvana"-Frontsänger Kurt Cobain und ihrer beider Drogenexzesse auf sich aufmerksam. Noch im Jahr 1992 mit Cobain verheiratet, nahm dieser sich im Jahr 1994 das Leben. Love selbst fand Kurt einfach süß. Aus dieser süßen Ehe stammt auch Tochter Frances Bean. Inzwischen ist Courtney angeblich von den Drogen weg und ist auch äußerlich weniger alternativ als früher. Die Zeiten scheinen vorbei, in denen sich Love auf Konzerten ins Publikum warf und sich von den Massen tragen ließ oder sie im weißen Kleidchen barfuß auf der Bühne hüpfte und eine Zigarette rauchend Lieder wie „He hit me" sang. Was das Singen und Songwriting angeht ist sie der Öffentlichkeit aber nicht verloren gegangen. So kam im Jahr 2004 ihr Soloalbum „Americans Sweetheart" heraus. In diesem Jahr erschien ihr neues „Hole"-Album „Nobody´s Daugther".

 

von Christian Kausche

«Jüdische Zeitung», Juli 2010